Emma Schulz (1865-1942)

Emma Schulz (1865-1942)

Geschrieben von Valentina Kerbel aus Kolbingen am .

Emma Schulz wurde am 24. Juni 1865 als Emma Kehler in einer Weberfamilie entweder in der Stadt Lodz in Polen, oder in der Kolonie Straßburg, Amtsbezirk Konstantinow, Rayon Koschki, Samara in Russland geboren. Ihre Großeltern waren einst aus Niederschlesien und Böhmen nach Lodz gezogen, da die Stadt wegen der Textilindustrie aufblühte.


Emma Schulz (1865-1942)
Emma Schulz (1865-1942)

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Strassburg, Amtsbezirk Konstantinow, Rayon Koschki, Samara, Russland

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Karagandinskaja Oblast, Woroschilowsky Rayon, Kasachstan

Aufgrund des Januaraufstandes 1863/1864 in Polen und der zunehmender Deutschfeindlichkeit zogen viele Deutsche nach Wolhynien oder Russland weiter. Darunter befand sich auch Emmas Eltern, die mit anderen Familien aus Lodz nach Samara weitergezogen war. Dort heiratete sie in den späten 1880er Jahre den evangelischen Feldscher Adolf Schulz, was zum Zerwürfnis mit ihrer Familie führte, da die Kehlers streng katholisch waren. Zusammen bekam das Ehepaar 9 Kinder, 2 Söhne und 7 Töchter. Um oben eins drauf zu setzen, ließ Emma alle ihre Kinder evangelisch taufen.

Die Familie kam zum Wohlstand und besaß ein großes Haus mit Garten und Angestellten in der Kolonie Straßburg. Zudem führte ihr ältester Sohn Julius ein Lebensmittelgeschäft in der Kolonie. Während ihre Schwester und ihr Bruder mit ihren Familien noch vor dem Ersten Krieg nach Kanada und in die USA auswanderten, blieb Emma in Russland zurück. Doch schon früh wurde das familiäre Glück getrübt. Tochter Johanna verstirbt in jungen Jahren. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der Machtergreifung der Bolschewiken wird eine Spirale von Schicksalsschlägen in Gang gesetzt.

Tochter Emilia flieht zusammen mit ihrer Tochter in den Wirren des Ersten Weltkrieges von ihrem gewalttätigen Ehemann nach Deutschland, wo sie sich fortan Olga nannte und in Braunschweig niederlässt. Ihre andere Tochter, die eine Behinderung hat, lässt sie in Russland zurück. In den frühen 1920er Jahren wird die Familie enteignet. Haus und Hof werden zerschlagen und das Vieh regelrecht aus dem Stall entrissen. Kurz darauf erkrankt ihr Mann und verstirbt Oktober 1922. 1930 verstirbt ihr zweiter Sohn Robert gerade mit 32 Jahren an Tuberkulose und hinterlässt eine Frau mit 3 Kindern. Ein Jahr darauf, 1931, verstirbt ihre Tochter Wilhelmine einem Monat später nach der Geburt ihres zweiten Sohnes. Daraufhin adoptierte Emma ihren neugeborenen Enkel und zieht diesen mit ihrer unverheirateten Tochter Thilde (Matilda) auf. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verstirbt auch ihr ältester Sohn Julius.

Am 03. Dezember 1941 wurde die 76-jährige Emma zusammen mit ihrer Tochter Thilde, dem Enkel Woldemar sowie mit ihren anderen Töchtern und deren Familien nach Karagandinskaja Oblast, Woroschilowsky Rayon in Kasachstan deportiert. Da sie aufgrund ihres Alters nicht mehr Erwerbfähig galt, hatte sie mit ihren Enkelkindern kein Recht auf Lebensmittelversorgung. Die Essensration, die ihre Töchter bekamen, wurde letztendlich auf die Enkelkinder verteilt. Dabei handelte es sich meistens um selbstgemahlenes Mehl oder Getreidekörner die mit heißem Wasser verrührt wurde. 1942 verstarb Emma aufgrund der schlechten Bedingungen. Beerdigt wurde sie in einem Leinentuch von ihrer Tochter Thilde, die sie mit anderen Toten in einem Massengrab beerdigte. Somit bleibt ihre letzte Ruhestätte in der kasachischen Steppe unbekannt.







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