Friedrich Kerbel (1914-1984)

Friedrich Kerbel (1914-1984)

Geschrieben von Waldemar Kerbel aus Kolbingen am .

Mein Vater Friedrich Kerbel wurde am 14. April 1914 im deutschen Dorf Friedenberg an der Wolga als Sohn von Jakob Kerbel und Anna Elisabeth Helwer geboren. Die Eltern seiner Großmutter Maria Catharina Kerbel geb. Biel gehörten zu einer der Gründerfamilien von Friedenberg, welches in den 1850er Jahren als Tochterkolonie gegründet worden war. In den 1920er Jahren erkrankte sein Vater an Typhus und verstarb recht früh, sowie sein ältester Bruder Johann Jakob Kerbel, der nachdem Vater und Großvater benannt war. Die Mutter blieb mit 4 Kindern zurück und zog diese allein auf.


Friedrich Kerbel (1914-1984)
Friedrich Kerbel (1914-1984)

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Friedenberg, Kreis Selmann, Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Dorf Lwowka, Kreis Dschetygora, Gebiet Kustanai

1935 heiratete er bereits meine geschiedene Mutter Amalia Helwich gegen den Willen seiner Mutter. Die ersten beiden Söhne Friedrich und Alexander verstarben im Säuglingsalter. 1939 wurde Tochter Amalia geboren. Friedrich bestritt den Lebensunterhalt als Traktorist in der Kolchose.

Nachdem Erlass von Stalin am 28. August 1941 über die Deportation der Wolgadeutschen, wurde er Anfang September zusammen mit meiner hochschwangeren Mutter und meiner ältesten Schwester nach Kasachstan in das Dorf Lwowka, Kreis Dschetygora im Gebiet Kustanai deportiert. Dort gebar meine Mutter einen Monat später meine ältere Schwester Maria. Am 23. Februar 1942 wurden alle arbeitsfähige Männer und Jungen aus dem Dorf Lwowka in die Trudarmee mobilisiert. Darunter auch mein Vater, der sich daraufhin mit meiner Mutter für 9 Jahren aus den Augen verloren. So wussten beide nicht, ob der jeweilige andere noch lebte. Mein Vater wurde als erstes in die Trudarmee in das Uralgebiet gebracht, später wurde er in die Goldgrube nach Bestobe, Gebiet Akmola in Kasachstan eingesetzt. Dort lernte er die russische Soldatenwitwe Galina Gerasimova, verwitwete Govoruchina kennen, mit der er zusammenwohnte. Mit ihr bekam er meine beiden älteren Halbschwestern Nina (1949) und Walentina (1950).

Sein Freund Friedrich Fritzler, der ebenfalls aus Friedenberg stammte und nach Lwowka deportiert worden war und später in Bestobe landete, hatte seine Familie auf Bittschrift „zur Familienzusammenführung“ nach Bestobe geholt. Von ihm erfuhr mein Vater, dass meine Mutter und meine beiden ältesten Schwestern am Leben waren. Daraufhin stellte er ebenfalls eine Bittschrift „zur Familienzusammenführung“, sodass meine Mutter mit meinen Schwestern und seiner Schwägerin Mina Birkheim nach Bestobe zogen. Mein Vater kehrte daraufhin zu meiner Mutter zurück. 1951 kam meine Schwester Lydia zur Welt, die als Säugling verstarb. 1953 mein Bruder Alexander und 1954 ich. Bis 1956 lebte unsere Familie unter der Kommandantur. In den Heimatort an der Wolga durften wir nie zurückkehren, sodass meine Eltern im Exil der kasachischen Steppe verstarben. Im Alter von 70 Jahren verstarb mein Vater am 08. August 1984 und wurde in Bestobe beigesetzt. Fast 2 Jahre später verstarb meine Mutter, die neben ihm beigesetzt wurde. Ihr gemeinsames Grab steht bis heute noch auf dem Friedhof.

Anfang der 90er Jahren reisten meine Geschwister und ich mit unseren Familien nach Deutschland aus. Meine beiden Halbschwestern blieben zurück. Nina lebt heute mit ihrer Familie in Russland. Walentina lebt mit der Familie ihrer Tochter in der Stadt Stepnogorsk in Kasachstan.




Waldemar Kerbel

mit Foto von Friedrich und Amalia Kerbel mit Verwandten

Waldemar Kerbel mit Foto der Familie Kerbel





Trudarmee Bescheinigung - Friedrich Kerbel (1914-1984)
Trudarmee Bescheinigung
Kommandaturbescheinigung - Friedrich Kerbel (1914-1984)
Kommandaturbescheinigung
Friedrich und Amalia Kerbel mit Verwandten
Friedrich und Amalia Kerbel mit Verwandten




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