Kornelius Boschmann (1884–1964)

Kornelius Boschmann (1884–1964)

Geschrieben von Waldemar Masson aus Berlin am .

Kornelius Boschmann wurde am 25. Juni 1884 in der Kolonie Safronowka auf der Krim als Sohn des Predigers der Mennonitischen Brüdergemeinde Cornelius Boschmann (1851–1924) und Anna Kroeker (1856–1905) geboren.


Elisabeth Eichwald (1888-1968)
Kornelius Boschmann (1884–1964)

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Hierschau, Molotschna, Oblast Saporischschja, Sowjetunion

Kornelius Boschmanns Urgroßvater David Boschmann war 1808 als armer Arbeiter mit seiner Familie aus Petershagen, Westpreußen, nach Südrussland in die Kolonie Rosenort ausgewandert. Die Kroekers kamen 1827 nach Südrussland. 1891 wurde der Vater als Prediger in der Mennonitischen Brüdergemeinde in Spat-Schönthal auf der Krim geweiht. Sein älterer Bruder Klaas Boschmann trat in die Fußstapfen seines Vaters und war später selbst als Prediger auf der Krim tätig.

Mit der Aufhebung der Privilegien 1871 begannen die ersten Mennoniten das russische Zarenreich zu verlassen und wanderten nach Übersee aus. Darunter befanden sich auch einige Verwandte von Kornelius, die in Kanada und in Kalifornien eine neue Heimat fanden. Bis 1905 lebten die Boschmanns im Dorf Annenfeld, Rajon Dshankoj, Krim. Im selben Jahr verstarb Kornelius Mutter Anna, worauf sein Vater mit ihm und den anderen Kindern zurück in die Ukraine zog. Die beiden älteren Geschwister Klaas Boschmann und Anna Unruh, geb. Boschmann, blieben in Annenfeld zurück.

Die Familie ließ sich in der Kolonie Hierschau nieder. Dort lernte Kornelius seine Ehefrau Aganetha Töws kennen, die am 2. März 1889 in Hierschau als Tochter des Mennoniten Abraham Töws und der aus dem Luthertum zu den Mennoniten konvertierten Maria Zehrt geboren wurde. Kornelius und Aganetha heirateten am 6. November 1908. Allerdings blieb die Ehe kinderlos, weshalb sie in ihrem ersten Ehejahr Kornelius Nichte Katharina Unruh, die Tochter von Kornelius älterer Schwester Anna, bei sich aufnahmen. Aufgrund der Terrorherrschaft der Kommunistischen Regierung waren Kornelius und Aganetha Boschmann 1931 gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die Familie floh ins Dorf Fürstental, das im Kaukasusgebiet lag. Für zehn Jahre wurde das Dorf zu ihrem Zufluchtsort. 1938 war Kornelius älterer Bruder Klaas Boschmann verhaftet und am 15. Oktober 1938 im Gefängnis erschossen worden.

1941 wurde Kornelius Boschmann von den deutschen Besatzungsbehörden erlaubt in seine alte Heimat zurückzukehren, während die auf der Krim verbliebene Verwandtschaft Anfang August des gleichen Jahres von den Sowjets nach Rostow "evakuiert" wurde.

In Hierschau wurde Kornelius zum Ortsvorsteher gewählt. 1943 mussten die Boschmanns ihre Heimat jedoch erneut verlassen. Diesmal für immer. Am 11. September 1943 brachen die Boschmanns zusammen mit der Nichte Katharina Willms, geb. Unruh, ihrem Mann und den beiden Kindern Richtung Westen auf. Zeitnah wurde die „evakuierte“ Verwandtschaft von Rostow weiter nach Nordkasachstan deportiert. Die Strapazen überlebten einige der Verwandten nicht.

Am 4. August 1944 wurden sie in Litzmannstadt erfasst und kamen in Kutno, Warthegau, unter. Von dort flohen sie im Winter weiter Richtung Westen. Zur gleichen Zeit geriet der Großneffe Cornelius Willms, der Sohn von Katharina Willms, in die Fänge der Roten Armee und wurde nach Novosibirsk, Sowjetunion, verschleppt. Kornelius und Aganetha Boschmann kamen in das Dorf Helle, ein Ortsteil in Groß Pankow in Brandenburg. Dort blieben sie fast vier Jahre. 1947 erhielten sie die Erlaubnis, nach Kanada auszuwandern. 1948 wanderten sie schließlich zusammen mit ihrer Nichte und deren Familie nach Kanada aus. Dort kamen sie bei ihrem Bekannten John Dyck, der bereits 1926 aus Hierschau nach Kanada ausgewandert war, in Pincher Creek, Alberta, unter. Im August 1948 zogen die Boschmanns nach Coaldale, Alberta, wo sie ihre neue Heimat fanden. Dort arbeiteten sie, wo immer sie Arbeit finden konnten. 1950 zog Katharina Willms mit ihrer Familie ebenfalls nach Coaldale. Im Alter von 80 Jahren starb Kornelius Boschmann am 16. September 1964 in Coaldale, wo er auf dem Coaldale Mennonite Cemetery beigesetzt wurde.

Nach vielen Jahren der Ungewissheit fand Katharina Willms ihren verlorenen Sohn Cornelius Willms wieder. Dieser hatte 1948 in Novosibirsk Katharina Loewen geheiratet und zwei Kinder mit ihr bekommen. 1967 durfte er zusammen mit seiner Familie die Sowjetunion verlassen und nach Kanada auswandern. Sein Vater Gerhard Willms erlebte die Familienzusammenführung nicht mehr. Dieser war schon mit 60 Jahren 1963 verstorben. Cornelius Willms verstarb am 2. September 1981 mit gerade mal 55 Jahren. Dies war für seine Mutter Katharina ein schwerer Schlag, sie verstarb nur wenige Tage später am 19. September 1981 im Alter von 76 Jahren. Aganetha Boschmann verstarb am 26. Juli 1982 und wurde ebenfalls auf dem Coaldale Mennonite Cemetery beigesetzt, wo noch heute ihre Gräber zu finden sind.

Katharina Willms als auch ihre Tochter Frieda Giesbrecht, geb. Willms, schrieben von Kanada aus Briefe an die zurückgebliebene Verwandtschaft in der Sowjetunion.




Kornelius Boschmann

mit Aganetha Boschmann im Februar 1959 in Coaldale/Kanada

Kornelius Boschmann mit Aganetha Boschmann im Februar 1959 in Coaldale/Kanada




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