Elisabeth Boss geb. Haase (1921-2021)

Elisabeth Boss (1921-2021)

Geschrieben von Nina Beck aus Lahr/Schwarzwald am .

Elisabeth Boss geb. Haase wurde am 2. März 1921 in der Stadt Jewpatorija auf der Krim geboren. Als eine der sehr wenigen Deutschen aus Russland feierte sie im März 2021 ihr 100. Geburtstag. Bis zu ihrem Tod am 24. Juli 2021 war sie bei vollem Bewusstsein und daher wird ihre Geschichte aus erster Hand erzählt.


Elisabeth Boss (geb. Haase) mit Familie
Elisabeth Boss (geb. Haase) mit Familie

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Jewpatorija, Krim

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Wolodarskoje, Kasachstan

Sie schenkte 5 Kindern das Leben und erfreute sich über 9 Enkel, 15 Urenkel und sogar 3 Ururenkel.

Das ist ihre Geschichte:

Elisabeth war die Älteste von sechs Kindern der Eheleute Johann *1895 und Dorothea Haase, geb. Beck *1895 (Auf dem gemeinsamen Foto sitzen alle in der unteren Reihe). Sie hatte die Möglichkeit sieben Schuljahre auf einer deutschen Schule zu verbringen.

1938 kam ihr Vater wegen Verdacht auf Spionage ins Gefängnis, ein halbes Jahr später erhielt die Familie die Nachricht, dass er erschossen wurde.

Am 29. August 1941 wurde die Familie nach Kasachstan verschleppt. Ganze drei Monate waren sie mit dem Zug und mit dem Schiff unterwegs. Manchmal ging es wochenlang nicht vorwärts, der Zug steckte einfach irgendwo auf dem Abstellgleis. Zusammen mit vielen Menschen war man in Waggons eingepfercht. Auch die Überfahrt auf dem Schiff konnte nur derjenige überleben, der etwas zu Essen dabeihatte. Viele Menschen starben, sie wurden nachts einfach ins Meer geworfen. Elisabeth Boss war zu dieser Zeit bereits mit Wilhelm Boss verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter Sina. Leider überlebte das Kind die Überfahrt nicht.

Aus Angst, dass ihre kleine Tochter ebenfalls über Bord geworfen wird und den Fischen als Futter diente, versteckten die Eltern das tote Kind, da sie es in der Erde begraben wollten. Bei der Stadt Kökschetau in Kasachstan wurden alle Leichen durch die Behörden in eine Scheune gebracht. Nachts wollten die Eltern ihre kleine Sina holen und begraben, aber die Scheune war bereits leer. Elisabeth Boss hat somit leider kein Grab ihrer Tochter, dass schmerzte sie ihr Leben lang.

Elisabeths Ehemann kam für vier Jahre (1941-1945) ins Arbeitslager („die Trudarmee“), auch Elisabeth selbst sollte zur Zwangsarbeit mobilisiert werden, doch bevor es 1943 so weit war, erfror sie während der Arbeit in der Kolchose ein Fuß, was sie Arbeitsunfähig machte. Später sagte Elisabeth immer: „Ich hatte Glück, nicht in die Trudarmee zu müssen, weil ich mir ein Bein verfroren hatte“.

In Kasachstan war es im Winter sehr kalt. Es fehlte an Essen und Bekleidung. Die Hungersnot war sehr groß. Trotz Verbote und Angst haben die Menschen nachts die nach der Ernte liegen gebliebene Ähren gesammelt. Richtiges Glück hatte Elisabeth 1945, denn ihr Mann kam aus der Trudarmee lebend zurück. Vier weitere Kinder Arnold, Wilhelm, Elisabeth und Viktor wurden geboren. Leider verstarben die zwei jüngeren in Kasachstan. Mit zwei Söhnen und ihren Familien kam Elisabeth Boss am 10.09.1993 nach Deutschland.

Auch hier pflegte sie sehr gerne ihr Hobby – Blumen. Ihr Garten war immer sehr bewundernswert!

Und ihr Gedächtnis ebenfalls! Sie konnte allen Bekannten und Verwandten die Fragen beantworten, die bei anderen in Vergessenheit gerieten.




Elisabeth Boss

Trotz des schweren Schicksals, war sie immer sehr lebensfroh. Immer umgeben von der Liebe ihrer Familie (Auf dem Foto ist sie mit ihrer Urenkelin Ayleen).

Elisabeth Boss mit ihrer Urenkelin Ayleen




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