Elisabeth "Luisa" Eichwald (1888-1968)

Elisabeth "Luisa" Eichwald (1888-1968)

Geschrieben von Valentina Nazarko aus Primorsk, Russische Föderation am .

Meine Großmutter Elisabeth Eichwald (geb. Rosenberg) wurde 1888 in Pantaliya bei Mariupol als Tochter von Peter Rosenberg und Anna Fortowski geboren. Ihre Vorfahren kamen aus Westpreußen und gehörten zu den Erstsiedlern von Göttland und Kaiserdorf in den Planer-Kolonien bei Mariupol.


Elisabeth Eichwald (1888-1968)
Elisabeth "Luisa" Eichwald (1888-1968)

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Bokowo-Antrazyt, Oblast Woroschilowgrad, USSR, Sowjetunion

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Schamanegin, Kreis Ajagus, Oblast Semipalatinsk, KasSSR, Sowjetunion

1890 gehörte die Familie Rosenberg zu den Gründern der Kolonie Neu-Andrianowka bei Taganrog, wo die Familie sich auf dem „Curdts Chutor“ ansiedelte. Hier lernte 1902 meine Großmutter Luisa, wie sie in der Familie genannt wurde, meinen Großvater Philipp Eichwald kennen. 1908 heiratete das Paar in der katholischen Dreifaltigkeitskirche in Taganrog. Dieser Ehe entstammten 4 Söhne (Alexander, Konrad, Philipp und Peter) und die Tochter Maria. Das Familienglück währte jedoch nicht lange. Philipp Eichwald wurde im Ersten Weltkrieg im Kaukasus verwundet und verstarb 1917 an einer Infektion im Lazarett der Stadt Taganrog. Luisa zog ihre Kinder allein im Haus ihres Vaters Peter Rosenberg auf. Nach der Revolution heiratete sie in zweiter Ehe Philipp Mohr, mit dem sie die Kinder Philipp und Pauline bekam. Auch diese Ehe war nur von kurzer Dauer, denn auch Philipp Mohr verstarb kurz darauf. Nach dem Tod des Vaters um 1930 siedelte Luisa mit ihren Kindern in die Stadt Bokowo-Antrazyt um, wo sie als Köchin die Bergwerksleute, zu denen auch ihre Söhne gehörten, mit Essen versorgte. In dieser Zeit wurde sie auch als Heilerin bekannt, da sie mittels Naturheilkunde Erwachsene und Kinder heilte. 1937 wurde ihr ältester Sohn Alexander der antisowjetischen Kollaboration beschuldigt, verhaftet und in einem Schauprozess zum Tod durch Erschießung verurteilt. In der Nacht nach der Verhandlung wurde das Urteil sofort vollstreckt.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Söhne Konrad, Peter und Philipp in die Trudarmee mobilisiert. Auch Oma Luisa wurde kurz darauf mit ihrer Schwiegertochter Katharina und der Enkelin Swetlana nach Kasachstan deportiert. Aus der Trudarmee kehrte nur ihr Sohn Peter zurück, Konrad und Philipp überlebten diese Zeit nicht. Die Tochter Maria, die nicht deportiert wurde, weil sie mit einem Ukrainer verheiratet war, starb 1949 in Bokowo-Antrazyt. Auch in Kasachstan war unsere Oma Luisa für ihre Heilkräfte bekannt, da sogar Menschen aus der Ukraine sie hier aufsuchten und um Hilfe baten.

Trotz der vielen Schicksalsschläge war Oma Luisa für uns Enkel eine sehr liebevolle Großmutter. Als gläubige Katholikin las sie täglich in ihrer Bibel und sprach die Gebete in deutscher bzw. plattdeutscher Sprache. Viele der katholischen Bräuche und die preußische Küche sind teilweise in unseren Familien erhalten geblieben.

Oma Luisa verstarb 1968, doch die Wärme ihrer Liebe, die uns zuteilwurde, spüren wir noch heute und geben die Erinnerung an die künftigen Generationen weiter.




Valentina Nazarko
(geb. Aifeld)

mit Foto Ihrer Großmutter Elisabeth "Luisa" Eichwald (geb. Rosenberg)

Waldemar Kerbel mit Foto seiner Mutter Amalia Kerbel




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