Jakob Dell (1924-1999)

Jakob Dell (1924-1999)

Geschrieben von Katharina Janz aus Felsberg am .

Jakob Dell/ Döll wurde am 5. Mai 1924 im Dorf Neuwalter, Gebiet Saratov geboren. Er war der älteste Sohn von Christian und Kathrina Döll, geb. Geist, sie hatten 10 Kinder. Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges begann auch die Tragödie dieser Familie. Der Vater, Christian Dell, wurde in den ersten Monaten verhaftet und als Spion zu 10 Jahren Haft verurteilt. Er kam in ein Arbeitslager im Gorki Gebiet.


Jakob Dell (1924-1999)
Jakob Dell (1924-1999)

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
DDorf Neuwalter, Gebiet Saratov

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Ust-Kamenogorsk, Kasachstan bzw. Iwgellag Gebiet Swerdlowsk

Die Familie, ohne Vater, wurde im September auf ein Lastschiff verladen und die Wolga herunter zuerst nach Astrachan und dann über das Kaspische Meer nach Kasachstan gebracht. Danach ging es über die kasachischen Steppen ins Gebiet Ust-Kamenogorsk. Unterwegs waren viele Menschen an Krankheiten und den Strapazen gestorben, weil es so lange dauerte. Bei Ankunft wurden die älteren Brüder Jakob und Theodor in die Arbeitslager, die sogenannte „Trudarmee“ zwangsrekrutiert. Jakob kam ins Arbeitslager nach Ural, in Iwdelag (Gebiet Swerdlowsk), Theodor wurde in die Kohlengruben von Kemerowo geschickt. Danach verlieren sich die Spuren des jüngeren Bruders. Nach dem Krieg suchte Jacob seinen Bruder jahrelang, schrieb Briefe an die Behörden, jedoch konnte er nie etwas herausfinden. Wir vermuten, dass Theodor im Lager verhungerte, erfror oder durch die unmenschliche Arbeit umgebracht wurde.

Auch Jakob musste mit 17 Jahren in seinem Lager Tag und Nacht schwer im Wald schuften. Die Normen waren sehr hoch. Das Schlimmste für meinen Vater war, wie man ihn und die anderen behandelte: als einen Verbrecher, ohne Würde, unter ständiger Überwachung. Von den Familien getrennt überkam ihn und die anderen Häftlinge das Gefühl der Hoffnungslosigkeit.

Auch Fliehen war sinnlos. Die entkräfteten Menschen schliefen in riesigen Baracken. Jeden Morgen beim Aufstehen waren viele von ihnen bereits tot. Um den ständigen Hunger zu stillen, suchten sie im Wald nach Beeren und Pilzen. Viele, viele Jahre nach dem Krieg konnte mein Vater Pilze nicht mehr sehen.

Doch war es seiner Familie noch viel schlimmer ergangen: seine Mutter und der jüngste Bruder starben in der Verbannung, sein Bruder Theodor war im Arbeitslager verschollen, zwei seiner Geschwister wurden adoptiert, zwei kamen in ein Waisenhaus. Nach der Entlassung aus dem Arbeitslager hatte Jacob keine Familie mehr und deshalb zog er zu seinem Onkel Heinrich nach Kopejsk in eine Ein-Zimmer-Wohnung. Hier fand ihn auch sein Vater, der 1951 endlich aus dem Lager kam.

Im gleichen Jahr heiratete Jakob Hulda/ Helena Kopp, sie bekamen fünf Kinder: Alexander, Viktor, Katharina, Margarete und Waldemar. Er arbeitete 25 Jahre im Bergbau, Untertage, in den Kohlengruben von Kopejsk.

Nach mehreren abgelehnten Ausreise-Anträgen konnte die Familie 1988 die Sowjetunion verlassen und nach Kassel/Hessen ziehen. Jacob starb 1999.

Wir behalten unseren Vater als liebevollen Menschen, der in seinem Leben immer auf Gott und Gottes Wort vertraut hatte und sich für die Menschlichkeit einsetzte. Wir haben ihn nie als verbittert erlebt, sondern als einen fröhlichen Menschen, der seine Familie liebte.

Jakob Dell mit seinen wiedergefundenen Brüdern
Jakob Dell mit seinen Brüdern.



Katharina Janz

mit Foto vom Vater Jakob Dell

Katharina Janz mit Familie




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