Philipp Mohr (1924-1943), links

Philipp Mohr (1924-1943)

Geschrieben von Filip Pahl aus München am .

Philipp Mohr wurde 1924 als Sohn von Philipp Mohr und Elisabeth Rosenberg in der deutschen Kolonie Neu-Andrianowka im Dongebiet geboren. Er hatte eine Schwester Pauline, die im Kindesalter verstarb, und die Halbgeschwister Alexander, Konrad, Peter und Maria Eichwald.


Philipp Mohr (1924-1943), links
Philipp Mohr (1924-1943), links

Deportiert, repatriiert oder repressiert von:
Bokowo-Antrazyt, Oblast Woroschilowgrad, Ukrainische SSR, Sowjetunion

Deportiert, repatriiert oder repressiert nach:
Bogoslowlag, Stadt Krasnoturinsk, Oblast Swerdlowsk, RSFSR, Sowjetunion

Im Jahre 1931 zog die Familie nach Bokowo-Antrazyt, wo Philipps Mutter als Köchin und seine Brüder im Kohlebergwerk arbeiteten. Als jüngstes Kind besuchte Philipp gemeinsam mit seiner Mutter zweimal im Jahr die Familie in Neu-Andrianowka – an Weihnachten und an Ostern. Seit seiner Geburt war Philipp Mohr taubstumm, konnte jedoch 5 Klassen einer Schule in Bokowo-Antrazyt abschließen. Ungefähr 1940 entstand das vorliegende Bild, welches ihn (links) während eines Aufenthaltes im Krankenhaus Bokowo-Antrazyt mit weiteren Kindern zeigt. Im September 1941 wurde er gemeinsam mit seinen Brüdern Peter und Konrad ins Arbeitslager BOGOSLOWLAG geschickt. Es ist davon auszugehen, dass dem 17-jährigen Philipp die Umstände seiner Deportation und Verbringung nicht klar waren, da er aufgrund seiner Taubstummheit nicht verstehen konnte, dass sich die Familie durch das zu Hause gesprochene Plattdeutsch vom Umfeld unterscheidet. Bis 1942 gaben ihm seine Brüder Halt und unterstützten ihn bei der befohlenen Arbeit. Jedoch blieb er nach der Demobilisationseiner Brüder aufgrund von Krankheit im Sommer und Herbst 1942 allein zurück. 1943 wurde er verhaftet, der konterrevolutionären und antisowjetischen Sabotage angeklagt und zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Vermutlich war er hilflos, nachdem er von den Brüdern getrennt wurde und niemand sonst ihn verstand, und durch die harte Arbeit kraftlos und ausgehungert. Dies wurde von der Lagerleitung als Arbeitsverweigerung und Sabotage eingestuft. Nach seiner Verurteilung kam er ins Gefängnis und verschwand spurlos.

Für den kleinen Filip ist Philipp Mohr nicht nur ein Namensvetter, sondern auch Urgoßonkel. Noch versteht er die Geschichte seines Verwandten nicht, wird jedoch in der Zukunft die Erinnerung an das Schicksal des jungen Philipp Mohr bewahren.




Filip Pahl

mit Foto von Urgoßonkel Phillipp Mohr.

Filip Pahl mit Foto von Urgoßonkel Phillipp Mohr.




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